Die Scouts des WFLV trafen sich zur alljährlichen Beobachtertagung
„Der Schiedsrichter muss wissen, dass es letztendlich nicht die Note ist, die über Auf- und Abstieg entscheidet. Die Qualität eines Schiedsrichters definiert sich heute mehr denn je über seine Persönlichkeit." Neben weiteren, trefflichen Aussagen aus seinem hochinteressanten Referat unterstrich das Mitglied des DFB - Schiedsrichterausschusses, Manfred Amerell, einmal mehr den heutigen Stellenwert der Beobachtungen im Bereich der oberen Spielklassen. Doch der Reihe nach:
Am 25.06.2005 folgten 37 Amateur-oberliga- Beobachter aus den drei Landesverbänden FVM, FVN und FLVW der Einladung des Vorsitzenden des WFLV - Schiedsrichterausschusses, Hans-Jürgen Weber zur alljährlichen AOL - Beobachtertagung in die Sportschule des FVN nach Duisburg. Neben dem, bis auf Hans-Georg Günther und Günther Baumgärtel, komplett anwesenden WFLV - Schiedsrichterausschuss konnte Hans-Jürgen Weber als Gäste den ehemaligen FIFA Schiedsrichter Jürgen Aust, den 2. BL Schiedsrichter Marc Seemann, den LW des FLVW Karsten Jonsson sowie die Regionalliga-Beobachter Armin Möller, Egbert Engler, Ralf Wermelinghoff und Andreas Joswig begrüßen.
Pünktlich, wie es sich für Schiedsrichter gehört, eröffnete Hans-Jürgen Weber um 10:00 Uhr mit seiner Begrüßung die Arbeitstagung der Beobachter und bedankte sich bei allen Anwesenden für die geleistete Arbeit in der abgelaufenen Spielzeit. Gleichfalls begrüßte er einige wenige neue Kameraden und hieß sie in dieser Runde ganz herzlich willkommen.
Mit der technischen Unterstützung von Karsten Jonsson ließ dann WFLV-Schiedsrichterausschuss Mitglied Hans-Jürgen Baier die vergangene Saison Revue passieren und versorgte die Zuhörer mit einigen aussagekräftigen und interessanten Statistiken. In über 600 Spielen konnten 508 Beobachtungen durchgeführt werden, die sich fast je zur Hälfte auf die beiden Amateuroberligen aufteilten. So standen den 249 Beobachtungen in der Oberliga Nordrhein, 259 Beobachtungen in der Oberliga Westfalen gegenüber. Neben der Höchstnote von 9,0 wurde als Tiefstnote die 6,9 vergeben. Die einzelnen Schnitte der Landesverbände: 8,19 FVM, 8,27 FVN und 8,23 FLVW lagen dagegen relativ dicht beieinander. Nachdem hierzu kurz die Vorsitzenden der Landesverbände ihre Ergebnisse kommentiert hatten, entwickelte sich nun eine lebhafte Diskussion über die Einstiegsnote einer Beobachtung in einem normal zu leitenden Spiel für die kommende Spielzeit. Einig war man sich zunächst darin, dass es keinen Unterschied in den beiden Amateur-Oberligen geben darf und dass sich alle Beobachter an einer vorgegebenen Richtlinie halten müssen. Zu guter Letzt wurde die Einstiegsnote der Beobachtungen in einem normal zu leitenden Spiel auf 8,2 und die Maximalnote auf 8,5 festgesetzt. Hans-Jürgen Baier bedankte sich ebenfalls bei den Beobachtern für die größtenteils pünktlich gelieferten Berichte und forderte gleichwohl alle auf, auch in der neuen Spielzeit diesbezüglich Disziplin zu bewahren.
Nun hatte Gastreferent Manfred Amerell das Wort und sein Beitrag hielt in allen Belangen das, was sich der WFLV-Schiedsrichterausschuss von dieser Einladung versprochen hatte. Der ehemalige Bundesliga- Schiedsrichter ging sofort auf die aktuelle Situation der Schiedsrichter im DFB, insbesondere jedoch auf die Schiedsrichter in Westdeutschland ein. Manfred Amerell knüpfte nahtlos an die zuvor geführte Diskussion an und machte kompromisslos deutlich, warum im Schiedsrichter-Westen von Deutschland über Jahre hinweg, Defizite zu verzeichnen waren. Manfred Amerell stellte in seinen Ausführungen ganz klar die Persönlichkeit des Schiedsrichter in den Vordergrund und forderte die Verantwortlichen in aller Deutlichkeit auf, dass man weg vom starren Zehntelnotenvergleich kommen und mehr das Talent sehen und fördern müsse. Weiter forderte Manfred Amerell „dass die Berechenbarkeit des Beobachters aufhören müsse und dass es unter allen Umständen keinen Wettbewerb unter den Beobachtern der einzelnen Landesverbände geben dürfe. Im Gegensatz zu früheren Zeiten, als der Schiedsrichter sein Amt noch als bloßes Hobby betrachten konnte, betreibt er heute in den oberen Klassen Leistungssport und muss sich dementsprechend entwickeln und weiterbilden. Der Beobachter leistet dazu einen enorm wichtigen Beitrag, indem er nicht nach Fehlern sucht, sondern schaut, wo die Fähigkeiten eines jeden einzelnen Schiedsrichters sind und ihm dann aufzeigt, wo er sich im Detail noch verbessern kann. Der Schiedsrichter muss die Angst vor dem Beobachter verlieren, er muss den Kopf frei haben, um seine optimale Leistung abrufen zu können. Ein Schiedsrichter, der im Spiel beginnt zu denken, hat schon verloren! Das Vertrauensverhältnis zwischen Schiedsrichter und Beobachter birgt noch viel Verbesserungspotential, was im Sinne der Spielleitungen freigesetzt werden sollte." Amerell konnte aufgrund seiner Erfahrung und vielen Beispielen aus der Praxis die aufgestellten Thesen belegen. Im Anschluss daran konnten die theoretischen Ausführungen zum Persönlichkeitsbild des Schiedsrichters anhand von 10 Videosequenzen noch verdeutlicht und intensiviert werden. Durch eine ½ halbstündige Mittagspause unterbrochen, endete gegen 14:00 Uhr der eindrucksvolle Vortrag von Manfred Amerell, der sich klar zum Highlight der Veranstaltung entpuppte. Mit einem aufmunternden Appell an die „Talentsucher, den Scouts des Regionalverbandes West" verabschiedete sich Manfred Amerell seinerseits und trat mit einem von Hans-Jürgen Weber überreichten Präsent die verdiente Heimreise an. Dankenswerter Weise begleitet ihn Marc Seemann zum Flughafen.
Nun standen noch zwei Tagesordnungspunkte auf dem Programm: zum einen stellte uns Karsten Jonsson den siebenseitigen „Leitfaden zum Coaching von Fußball - Schiedsrichtern" vor und zum anderen wurden die neuen Regelanweisungen und -änderungen für die kommende Spielzeit von Gundolf Walaschewski vorgestellt. Diese kurzweiligen Vorträge rundeten die gelungene WFLV - Beobachtertagung ab und nachdem Hans-Jürgen Weber noch einige technische Besprechungspunkte vorzubringen hatte, endete die arbeitsreiche Tagung um 15:40 Uhr. Hans-Jürgen Weber bedankte sich für die konstruktive Mitarbeit bei allen Beteiligten und wünschte uns allen mit den zutreffenden Schlussworten: „Gemeinsam nach vorne" eine angenehme Heimreise.