Mit dem folgenden Interview des Oberbürgermeisters der Stadt Köln, Fritz Schramma wird die Reihe, die bis zum Eröffnungstag am 6. Juni 2006 prominenten Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Sport und Gesellschaft Gelegenheit gibt, Meinungen und Erwartungen zur FIFA-WM in Deutschland zu äußern, fortgesetzt.
WFLV-AM: Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland - ist das für Sie nur ein internationales sportliches Großereignis oder mehr?
Fritz Schramma: Köln wird 2006 die besten Fußballer der Welt und ihre Fans willkommen heißen. Eine große Herausforderung und eine einmalige Chance, die wir hier in Köln gerne annehmen. Die Fußballweltmeisterschaft 2006 soll für alle Fußballfans ein unvergessliches Erlebnis werden. Schon jetzt wollen wir die Menschen in unserer Stadt und unserem Land auf das größte Sportereignis der Welt einstimmen. Diese Vorfreude können wir aber nur erzeugen, wenn starke Partner quer durch alle Branchen ihre Kräfte bündeln und sich dafür einsetzen, dass die Menschen dieses Landes von dem WM-Fieber erfasst werden. Darüber hinaus ist die Fußballweltmeisterschaft mehr als nur eines der bedeutendsten Sport- und Medienereignisse der Welt - es ist ein Aufeinandertreffen von Menschen verschiedenster Kulturen mit unterschiedlichen Lebensweisen. Die brasilianischen Fans haben sich entschieden, ihr Stammquartier in Köln einzurichten und werden Köln in die Nähe des Zuckerhutes rücken.
WFLV-AM: Wie schätzen Sie die Erwartungen der anderen Nationen in Bezug auf den WM-Ausrichter Deutschland in 2006 ein?
Fritz Schramma: Vor wenigen Wochen hatten wir hier in Köln bereits die Möglichkeit beim Confederations Cup einen Vorgeschmack auf das zu bekommen, was uns nächstes Jahr erwarten wird. Gleichwohl haben wir aber auch erfahren, welche Erwartungen die Gäste an uns haben. Das ist sicherlich eine sehr gut organisierte Veranstaltung und dazu gehört auch eine höchst mögliche Sicherheitslage. Aber diese fußballbegeisterten Menschen wollen auch eine unvergessliche Atmosphäre erleben. Gastgeber,die sie freundlich und weltoffen empfangen und mit denen sie gemeinsam das weltgrößte Fußballfest feiern können.
WFLV-AM: Gibt es einen ganz persönlichen Bezug/Wunsch, den Sie mit der WM 2006 verbinden?
Fritz Schramma: Fußball ist meine Leidenschaft und natürlich werde ich bei jedem Spiel unserer Nationalmannschaft mitfiebern. Ich wünsche mir, dass unsere Elf es bis ins Finale schafft und dort mit dem Pokal im eigenen Land den Weltmeistertitel feiern kann.
WFLV-AM: Wie bewerten Sie die WM 2006 aus Ihrer beruflichen Perspektive? Gibt es da Berührungspunkte?
Fritz Schramma: Am 15. April 2002 wurden in der Alten Oper in Frankfurt am Main die zwölf Spielorte der WM festgelegt. Jener Moment, in dem die Entscheidung für Köln als WM-Standort gefallen war, war ganz sicher mit einer der schönsten meiner bisherigen Amtszeit. Die Stadt weiß, dass ich dem Fußball leidenschaftlich verbunden bin. Das war nicht bei allen meinen Vorgängern in gleichem Maße der Fall, und so passt es doch prima, dass der oberste Repräsentant einer WM-Stadt seine Gäste aus aller Welt auch als Freund des Fußballs begrüßen kann. Ich fiebere den Tagen im nächsten Jahr wirklich entgegen.
WFLV-AM:Die Fußball-WM im eigenen Land wird auch für viele Kinder und Jugendliche das Interesse an dieser Sportart verstärkt wecken. Welche Möglichkeiten von Politik und Gesellschaft sollten Ihrer Meinung nach stärker genutzt werden, um das ehrenamtliche Engagement zur Nachwuchsbetreuung besser zu unterstützen/fördern?
Fritz Schramma: Die Fußballweltmeisterschaft wird insbesondere Motivation für alle Leistungs- und Breitensportler sein. Es ist sicher, dass ein solches sportliches Großereignis viele neue Impulse für die Sportstadt Köln mit sich bringen wird. Neben dem oft beobachteten großen Zulauf in den Sportvereinen gilt der Mobilisierungseffekt aber auch für das ehrenamtliche Engagement. Die Nachwuchsbetreuung ist heutzutage nur noch ehrenamtlich möglich und wir sollten Zeit, Kraft und Energie einsetzen, unsere Jugend, besonders in Vereinen, zu unterstützen und zu fördern. Insbesondere mit den Projekten des OK „Klub 2006 - die FIFA-WM im Verein™" und „Talente - Die FIFA WM in der Schule™", bestätigt auch das Organisationskomitee der Fußballweltmeisterschaft den enormen Stellenwert der Kinder- und Jugendförderung, speziell in den Vereinen und in der Schule.
WFLV-AM: Die Weltmeisterschaften sind der internationale Vergleich der Nationalmannschaften - bringt der deutsche Fußballsport/die Talentförderung im deutschen Fußball genügend Spitzenspieler hervor oder hätten Sie Verbesserungsvorschläge?
Fritz Schramma: In dieser Hinsicht istdas Netzwerk bei der Sportart Fußball generell sicherlich schon sehr gut. Es gibt andere Sportarten, da schlummern Talente weitaus mehr im Verborgenen. Eine wichtige Rolle spielen hierbei selbstverständlich die Vereine und Verbände. Hier wird gerade in NRW gute Arbeit geleistet. Aber auch den Spitzenvereinen kommt hier eine gewichtige Rolle zu. Talentförderung ist gerade in der medienträchtigen Sportart Fußball eine verantwortungsvolle Aufgabe.
WFLV-AM: Der WFLV wirbt mit der Kampagne „Respect" im Rahmen des WM-Mottos „Zu Gast bei Freunden" für ein gewaltfreies Miteinander. Bei einem Viertel der Spielpaarungen, in drei Fußballstadien des Landes (Do, Ge, K) werden hohe Anforderungen an Organisation, Verkehrsmittel und Sicherheit gestellt. Können wir diesen Erwartungen gerecht werden und unser Image in der Welt weiter verbessern?
Fritz Schramma: Würde sich jedermann gemäß der Devise des WFLV, öffentlich zu Toleranz und Achtung gegenüber anderen bekennen und entsprechend verhalten, so könnte Gewalt bei einem solch sportlichen Highlight ausgeblendet werden. Aufgrund der Erfahrungen bei den in der Vergangenheit durchgeführten Weltmeisterschaften und vor dem Hintergrund aktueller weltpolitischer Themen und Auseinandersetzungen wurde in Zusammenarbeit aller Beteiligten das „Nationale Sicherheitskonzept WM 2006" erarbeitet, das zudem ständig den Entwicklungen angepasst wird. Alle beteiligten Behörden, Organisationen und Einrichtungen des Bundes, der Länder, der Kommunen sowie der Veranstalter bringen hier ihre Erfahrungen und Kompetenzen ein. Die Durchführung des Confederations Cup Germany 2005 vor wenigen Wochen hat bewiesen, dass in allen Bereichen schon im Vorfeld sehr gute Arbeit geleistet wurde. Zwar werden an die Organisation bei der FIFA-WM 2006™ noch höhere Erwartungen gesetzt, aber ich glaube, dass wir auch diesen Erwartungen entsprechen werden, denn schließlich laufen die Vorbereitungen in den einzelnen WM-Städten auf Hochtouren. Zum Thema Verkehr lässt sich festhalten, dass die vorgesehenen Maßnahmen so terminiert sind, dass sie zur WM im nächsten Jahr fertig gestellt werden.
WFLV-AM: Wie bewerten Sie die Chancen der deutschen Nationalmannschaft auf den WM-Titel 2006 im eigenen Lande?
Fritz Schramma: Die deutsche Nationalmannschaft hat alle Chancen, den WM-Titel zu gewinnen, wie uns ja die Erfahrungen der letzten Weltmeisterschaftsspiele und auch des Confed Cups gezeigt haben. Jürgen Klinsmann und sein Team werden unsere Jungs schon bestmöglich auf das nächste Jahr vorbereiten, davon bin ich überzeugt. Zudem wird die Euphorie der deutschen Fans im eigenen Land, unsere Elf einmal mehr motivieren.
WFLV-AM: Wo möchten Sie die Begegnungen der Fußball-WM 2006 am liebsten verfolgen?
Fritz Schramma: Natürlich werde ich die fünf Spiele in Köln auch im Stadion live verfolgen. Weltmeisterschaftsspiele live mitzuerleben in einem ausverkauften Stadion, ist schon ein besonderes Erlebnis. Ansonsten werde ich sicherlich das ein oder andere Spiel auf der Großleinwand auf den „Public Viewing"-Plätzen hier in Köln ansehen, um so unter tausenden von Fans in sportlicher Atmosphäre die Spiele verfolgen zu können.
WFLV-AM: Die deutsche Fußballnationalmannschaft (Herren) wurde seit den WM Titeln 1954, 1974 und 1990 (und inzwischen auch Frauen 2003) als die „ eigentliche Botschafterin Deutschlands in der Welt" bezeichnet. Zahlreiche Fußballbegriffe (rote/gelbe Karte, Abseits, Ball flach halten) haben Eingang in die Alltagssprache der Menschen gefunden. Ist für Sie Fußball auch „ mehr als ein 1 : 0" – sind Ihnen Beispiele hierfür widerfahren?
Fritz Schramma: Die meisten Fußballbegriffe, die in meinen beruflichen Alltag Einzug genommen haben, stammen von Sepp Herberger. Insbesondere das Zitat: „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel." prägt meine Arbeit ganz wesentlich.
WFLV-AM: Sehen Sie neben der Freude auf die WM 2006 und einen enormen Impuls für den Fußball auch den „ Wirtschaftssektor Fußball WM 2006" - mit der Verbesserung der Infrastruktur, einem Beitrag zum Strukturwandel im Ruhrgebiet, einer „ Welt-Medien-Präsenz Deutschlands" über Wochen?
Fritz Schramma: Fußball-Weltmeisterschaften gehören zu den einzigartigen Großveranstaltungen, deren Bedeutung weit über den sportlichen Anlass hinaus geht. Die Faszination eines WM-Endspiels, bei dem Milliarden Menschen rund um den Globus gebannt vor den Fernsehern sitzen, ist ungebrochen hoch. Unterdessen ist die FIFA WM 2006™ auch eine enorme Chance für Köln, sich nicht nur auf dem Rasen als „global player" zu präsentieren, sondern auch den Standort und die Wirtschaft einem internationalen Publikum von der besten Seite zu zeigen. Köln ist bereits heute als Millionenstadt am Rhein ein Wirtschafts- und Medienzentrum, ein internationaler Verkehrsknotenpunkt, eines der meistbesuchten touristischen Ausflugsziele und vor allen Dingen eine Sportmetropole. Aber von der FIFA WM 2006™ wird es zusätzlich neue wirtschaftliche Impulse geben. Die Geschäftsmöglichkeiten quer durch alle Branchen sind als sehr hoch einzuschätzen.
Freuen Sie sich auf ein neues Statement in der nächsten Ausgabe der WFLV-AM.