WFLV-Projekt optimiert Spitzenförderung im Mädchenfußball (Teil III)
U17-Mädchenförderung im Mai 2005 in Duisburg Wedau
Fußball-Landesverbände von NRW in einem Boot
Die Fördermaßnahmen
Sportförderung darf sich nicht allein als eine Erweiterung der sportlichen Aufgaben, also auf ein MEHR an Training und Spielen verstehen. Um internationalen Standard zu erreichen, ist zweifellos ein größeres, also auch zeitlich umfangreicheres Engagement in der gewählten Sportart notwendig. Mehr Training sowie häufigere Lehrgänge und Auswahlspiele gehen dann zwangsläufig zu Lasten einerseits von bevorzugten Freizeitaktivitäten, andererseits in nicht unerheblichem Maße auch zu Lasten schulischer und beruflicher Ausbildung. An dieser Stelle setzen die Fördermaßnahmen des WFLV- Mädchenfußball-Projektes für seine „Elite-Spielerinnen" an.
Unterstützung in der
schulischen Ausbildung
So genannte „Partnerschulen des Sports" bieten schon seit langem den Nachwuchstalenten aller Sportarten in Zusammenarbeit mit den Schul-ministerien flexible Regelungen hinsichtlich schulischer Abläufe bei sportbedingten Fehlzeiten und Klausurterminen an. In dieses erprobte individuelle Fördersystem reiht sich nun auch der WFLV mit seinen talentiertes-ten Nachwuchsspielerinnen ein. Ziel eines Schulwechsel ist es, die sportlichen Aufgaben bereits frühzeitig ab der U15 ausgesuchter Elitespielerin-nen mit der schulischen Ausbildung in einen harmonischen Einklang zu bringen. Berücksichtigt werden bei solchen Empfehlungen vor allem eine erreichbare Nähe zum Heimatort, so dass das gewohnte Umfeld sich nicht wesentlich verändert.
Ausgehend von ihrem Wohnort wird der Elite-Spielerin eine für ihre Ausbildung geeignete im erreichbaren Umkreis des Wohnortes gelegene Partnerschule des Sports ausgesucht, welche für sportbedingt versäumten Unterricht eine fachliche Lehrkraft den jungen Talenten zur Nacharbeitung des Stoffes zur Seite stellt. Empfohlen werden Schulen mit Sportprofil, welche in der Nähe leistungsstarker Vereine des Mädchen- und Frauenfußballs liegen.
Ein wesentlicher Gesichtspunkt für einen Schulwechsel besteht auch in dem Schulangebot von 2 bis 3 zusätzlichem Sportstunden über den Rahmen des allgemeinen Lehrplans hinaus, in denen die Nachwuchstalente solcher Sportklassen Sportart- übergreifenden Unterricht erhalten. So können koordinativer Spezialunterricht und alternative Ballspielarten wie Basketball vorhandene Defizite im Bereich der allgemeinen, Sportart- übergreifenden Fitness minimieren und damit eine stabilere Basis schaffen für die angestrebte spätere Spitzenleistung im internationalen Frauenfußball.
Regelmäßige Spielpraxis
in leistungsstarken Vereinen
Grundsätzlich besteht das Ziel der Eliteförderung darin, die Kaderspielerinnen möglichst hochklassig trainieren und spielen zu lassen. Leis-tungsstarke Vereine im Mädchen- und Frauenfußball bilden in dieser Hinsicht die Eckpfeiler der sportlichen Förderung.
Ein frühzeitiger Wechsel zu einem höherklassigen Verein mit guter Nachwuchsarbeit sollte allerdings nur in Betracht kommen, wenn sich keine alternativen Lösungen zur sportlichen Förderung anbieten. Hierbei werden Spielmöglichkeiten innerhalb von Jungenmannschaften ebenso angestrebt und gefördert.
Eine Empfehlung für einen Vereinswechsel ist dann sinnvoll, wenn ers-tens die Möglichkeit, in der 1. Mädchen- bzw. Frauenmannschaft regelmäßig zu spielen, objektiv und tatsächlich in diesem Verein gegeben ist. Vereinzelte Einsätze aus welchen Gründen auch immer, beeinträchtigen die sportlichen Entwicklung nicht unerheblich. Zweitens werden räumliche Nähe sowie schulische bzw. berufliche Perspektiven berücksichtigt. Drittens spielen die Zusammenarbeit des Vereins mit den die Eliteförderung tragenden Verbänden und Organisationen sowie ausreichendes und qualifiziertes Training eine maßgebliche Rolle. Dies bedeutet insbesondere, dass der Verein nicht nur an Image-Trägerinnen sondern an der individuellen Förderung besonders talentierter Spielerinnen interessiert sein muss.
Leistungsstarken Vereinen wird in diesem Zusammenhang empfohlen, gegebenenfalls eine Kooperation mit anderen Vereinen des Mädchen- und Frauenfußballs einzugehen, die in einer erreichbaren regionalen Nähe sich befinden und in deren Mannschaften das Nachwuchstalent regelmäßige Spielpraxis erhält. Dabei können „ausgeliehenen" Elitespielerinnen auch weiterhin im leistungsstarken Club trainieren, soweit dies räumlich vertretbar ist. Individuelle Fördermaß-nahmen hinsichtlich Ausbildung und Betreuung werden dann auch weiterhin über den „Stammverein" koordiniert.
Nutzung von Leistungssport
fördernden Einrichtungen
Eine Kooperation mit bereits bestehenden Zentren des Leistungssports soll den Elite-Spielerinnen ermöglichen, die vorhandenen Einrichtungen und Angebote z. B. für eine individuelle, den sportlichen Herausforderungen angepasste sportmedizinische Beratung und Versorgung wie auch für die Betreuung in schulischen Fragen und zur individuellen Karriereberatung. Bei Bedarf in der näheren Umgebung in Anspruch zu nehmen. Hier bieten u. a. Teilinternate an den Schulen oder auch die Olympiastützpunkte in NRW seit längerem erfolgreich erprobte Möglichkeiten.
Karriereplanung
Karriereberatung und eine entsprechende Planung soll die üblichen Schwierigkeiten und Hindernisse für ein junges Mädchen zu Beginn der beruflichen Laufbahn und den großen Zeit- und Arbeitsaufwand durch die nicht selten langwierigen Bewer-bungsprozess zugunsten der sportlichen Aufgaben bewältigen helfen. Qualifiziertes Fachpersonal berät zusammen mit deren Eltern, welchen beruflichen Weg die Elitespielerin einschlagen möchte. Die Ergebnisse werden in einer Athletenakte daten-schutzrechtlich gesichert für Organisationen der Sportförderung (z. B. Verbände, in NRW Sportstiftung) festgehalten. Diese nutzen mit Unterstützung der Politik im Interesse der einzelnen Elite-Spielerinnen ihre Kontakte zu Wirtschaft und Industrie für eine mögliche Bereitstellung von Ausbildungsstellen unterschiedlichster Berufsrichtungen.
Persönliche Beratung
So genannte Mentoren als Vertrauenspersonen für Spitzenathleten und damit die Bedeutung der mentalen und psychischen Disposition für das Abrufen der individuellen Höchstleistung ist in den vergangenen Jahren durch verschiedene Fälle und Diskussionen offenkundig geworden. Vertrauenspersonen sind Vereinsunabhängig. Die Tätigkeit einer Vertrauensperson zielt nicht auf Ergebnisse ab. Sie führt zu Einsichten, zeigt Wege und Denkmuster auf. Die Vertrauensperson berät und öffnet Türen für möglicherweise tiefer greifende Gespräche. Sie sind pädagogisch und psychologisch geschult und kümmern sich um persönliche Sorgen und Probleme der Spielerinnen. Diese können auch mögliche verdeckte Übergriffe von Mitschülern oder anderer Personen sein. Auch Versagensängste und mangelndes Selbstvertrauen wie z. B. ausgelöst durch das Verhalten von Trainern und Betreuern im Fußballalltag beeinflussen den Lernprozess und die individuelle Leis-tungsentwicklung und bedürfen daher fachkundiger Unterstützung.
Fördern sagt man beim WFLV heißt nicht nur fordern! Fördern muss ebenso als Geben und Erleichtern verstanden werden, damit sich die Top-Athletin ganz und unbelastet sich ihren sportlichen Herausforderungen widmen kann. Wie meinte schon der frühere Tennis-Star Boris Becker: „Auf einen klaren Kopf kommt es an!"