Bundeswirtschaftsminister Michael Glos bei der Zertifikationsverleihung an den WFLV-Geschäftsführer Dr. Gregor Gdawietz in Berlin
Das Runde und das Eckige gehören zusammen und der Mensch steht im Mittelpunkt - das gilt im Fußball und bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie gleichermaßen. Und so war es nur logisch und konsequent, dass sich der Westdeutsche Fußball- und Leichtathletikverband e.V.. als einer der ersten Verbände 2005 dazu entschloss, das audit berufundfamilie® durchzuführen.
Das audit berufundfamilie®, eine europaweit geschützte Marke und ein renommiertes Managementinstrument, wurde Ende der 90er-Jahre der Öffentlichkeit vorgestellt. Die inzwischen 8. Zertifikatsverleihung, bei der Bundesfamilienministerin von der Leyen und Bundeswirtschaftsminister Michael Glos die Zertifikate überreichten, fand dieses Jahr erneut in Berlin-Mitte statt, im learning center - esmt campus, dem ehemaligen Staatsratsgebäude.
Entwickelt wurde das audit berufundfamilie® auf Initiative der Gemeinnützigen Hertie Stiftung im Rahmen des umfangreichen Projekts „Mit Familie zum Unternehmenserfolg“. Wesentliches Element des audit ist ein umfangreicher Katalog mit insgesamt ca. 140 in acht Handlungsfeldern systematisch aufgeführten Einzelmaßnahmen, die in Unternehmen (aller Branchen und Größen) eine familien- und mitarbeiterunterstützende Wirkung haben (können). Jede aufgeführte Maßnahme ist in mindestens einem bundesdeutschen Betrieb realisiert - allerdings bietet kein Betrieb alle Maßnahmen an.
Entscheidend ist die Entwicklung eines zum jeweiligen Betrieb passenden und betriebswirtschaftlich sinnvollen Maßnahmen-Mix. Das bringt auf dem bereits Vorhandenen aufbauend Betrieb und Belegschaft dem Ziel der Vereinbarkeit von Beruf und Familie einen effektiven Schritt näher.
Der Auditierungsprozess beginnt mit einem Strategieworkshop, in dem sich Vertreter von Unternehmens- und Personalleitung, Personalvertretung und ggf. andere Mitarbeitervertreter darüber verständigen, welche Schwerpunkte im Betrieb gesehen werden.
Dem schließt sich eine Phase der Bearbeitung von Dokumenten durch die Projektleitung und Auditorin an, in denen vorhandene Maßnahmen und Vereinbarungen erläutert werden. Da jedoch zwischen Theorie und alltäglicher Praxis nicht selten Unterschiede bestehen und auch die Unternehmensleitung nicht die Interessenlage aller Belegschaftsteile kennen kann, diskutiert die repräsentativ zusammengesetzte Projektgruppe danach in einem eintägigen Workshop den dem audit zugrunde liegenden Kriterienkatalog. Aus dieser Diskussion ergeben sich bereits im Workshop Formulierungen von Zielen und Maßnahmen, die alle Anwesenden für sinnvoll und praktikabel halten. In enger Zusammenarbeit stellen Auditorin und Projektleitung dann zur Erlangung des Grundzertifikates verschiedene Dokumente fertig und die Leitung unterzeichnet die gemeinsam ausformulierten Ziele und Maßnahmen. Damit wird dokumentiert, dass ihre Umsetzung in den kommenden drei Jahren die volle Unterstützung ‚von ganz oben’ hat.
Der Westdeutsche Fußball- und Leichtathletikverband e.V. praktizierte schon vielfältige Mitarbeiterorientierung mit besten Ergebnissen: u. a. trotz extrem schwankenden Arbeitsaufkommens in manchen Bereichen verzeichnet er gerade in Ferienzeiten eine hohe Motivation und Leistung seiner Belegschaft. Das kam auch im Auditierungsprozess deutlich zum Ausdruck.
Dieses Erfolgsrezept selbst konsequent weiter anzuwenden und anderen zugänglich zu machen bzw. zu verbreiten sind die Ziele des WFLV e.V.
• Flexibilisierung der bestehenden Mehrarbeits- und Gleitzeitregelung sowie Ausweitung auf alle Arbeitsbereiche des Verbandes
• Erhalt und Ausweitung der Telearbeitsmöglichkeiten
• Verstetigung und Verschriftlichung der bereits gelebten familienfreundlichen Praxis z. B. bzgl. Arbeitsorganisation, Kommunikation und Unternehmensphilosophie
• Kommunikation einer umfassenden Führungskultur mit den wesentlichen Bestandteilen ‚Vereinbarkeit von Beruf und Familie’ und ‚Gender Mainstreaming’
Die Belange von Betrieb und Beschäftigten zu berücksichtigen und langfristig im Alltag eine tragfähige Balance zu realisieren, ist beileibe kein ‚Sozialklimbim’. Es macht sich positiv bemerkbar und betriebswirtschaftlich bezahlt. Nicht nur auditierte Unternehmen stellen fest, dass sich eine familienbewusste Personalpolitik positiv auswirkt.
22 % der Unternehmen verzeichnen einen geringeren Krankenstand,
28 % haben weniger Fluktuation,
83 % konstatieren eine höhere Mitarbeiterzufriedenheit
und
86 % verbesserte Motivation.
70 % der Unternehmen stellen eine Qualitätsverbesserung der Arbeit fest, bei
50 % machen sich positive Beschäftigungswirkungen bemerkbar
und
89 % haben durch das audit berufundfamilie® einen Vorteil um qualifiziertes Personal.
Diese Befunde lassen sich auch in Euro und Cent ermessen, wie nicht nur die Untersuchungen mit mehreren Unternehmen im Überblick zeigen konnten.
Vor erst anderthalb Jahren bewilligte der Vorstand der MVV Energie, Mannheim, das Projekt „Familienorientierte Personalpolitik“ und stellte ein Projektbudget zur Verfügung, das sich unmittelbar aus der zuvor mit work & life erstellten Kosten-Nutzen Analyse ableitete. Ziel der tatsächlich durchgeführten familienfreundlichen Maßnahmen war vor allem die Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben mit Kindern in enger Zusammenarbeit mit den Beschäftigten selbst:
Das Eltern-Kind-Arbeitszimmer wurde sehr häufig genutzt.
Das Platzangebot des Feriencamps in Kooperation mit einem Sportverein wurde im zweiten Jahr aufgrund der großen Nachfrage verdoppelt.
Die Klein-Kinder-Betreuung als betrieblich unterstützte Elterninitiative stockte ebenfalls von 10 auf 20 Plätze auf.
Flankiert wird dies Programm durch eine flexible Handhabung der Arbeitszeiten.
Die kürzlich mit work & life abgeschlossene Evaluation der finanziellen Effekte hatte zum Ergebnis, dass jedem in das Programm investierten Euro 2,5 Euro an Einsparungen gegenüberstehen - bereits nach 1 ½ Jahren Laufzeit und einschließlich aller auch intern anfallenden Personalkosten für die Koordination. Zurückzuführen ist dies u. a. auf die deutliche Reduzierung der durchschnittlichen Elternzeitdauer von 32 auf 17 Monate, einen gelungenen Know-How-Erhalt, die Vermeidung von Fehlzeiten und Qualitätsverlusten und nicht zuletzt zahlreiche sehr positive Berichterstattungen über das familienorientierte Engagement.
Mit Hilfe des audit berufundfamilie® hat auch der WFLV e.V. zeit- und kosteneffektiv mit Unterstützung seiner Auditorin - der Artikelverfasserin - sein maßgeschneidertes, personalpolitisches Programm entwickelt. Er wirkt damit zielgenau hin auf eine Verbesserung der Balance von Beruf und Privatleben mit Gewinn für Betrieb und Belegschaft - mit stetig zunehmend positiver Innen- wie Außenwirkung. Angelegt als kontinuierlicher Prozesse überprüft die Re-Auditierung nach drei Jahren inwieweit die Ziele erreicht wurden und definiert weiterführende Ziele und Maßnahmen. Mit der Verleihung des Zertifikats zum audit berufundfamilie® wird dann die neue Balance von Erwerbsarbeit und Familie beim WFLV e.V. dokumentiert.
Kurzbeschreibung der Handlungsfelder des audit berufundfamilie®
Arbeitszeit: Maßnahmen flexibler Arbeitszeitgestaltung hinsichtlich Umfang, Zeitpunkt und Abrechnungszeitraum und Freistellungsregelungen
Arbeitsorganisation: Bausteine und Methoden (etwa Mitarbeiterbeteiligung oder Teamarbeit) der flexiblen Gestaltung und Verteilung von Arbeitsaufträgen
Arbeitsort: Möglichkeiten eines flexiblen Arbeitsortes (etwa zu Hause, im Büro oder auf Reisen) und seine Anbindung an den Betrieb
Informations- und Kommunikationspolitik: unternehmensinterne und -externe Informations- und Öffentlichkeitsarbeit über familienunterstützende Aktivitäten des Betriebes
Führungskompetenz: familienbewusstes Verhalten der Führungskräfte, aktive Unterstützung familienorientierter Vereinbarungen und Förderung der Kommunikations- und Konfliktfähigkeit
Personalentwicklung: Fortbildungs- und Förderungsmöglichkeiten für Beschäftigte mit Familie, positive Bewertung von Patchwork-Erwerbsbiographien
Entgeltbestandteile und geldwerte Leistungen: finanzielle und soziale Unterstützung für Beschäftigte mit Familie
Service für Familien: Unterstützungsarrangements für Kinder oder pflegebedürftige Familienangehörige der Beschäftigten
Betriebsspezifika: innovative familienorientierte Maßnahmen, die keinem der beschriebenen Handlungsfelder zuzuordnen sind
Betriebsspezifische Betrachtungen der Kosten-Nutzen-Relation einer familienunterstützenden Maßnahme sind möglich mit dem im Internet kostenlos verfügbaren Instrument „Modellrechnungen für Kosten und Nutzen einer familienorientierten Personalpolitik“ www.work-and-life.de/aktuelles/download.php.