Außerordentlicher DFB-Bundestag am 8. September 2006 in Frankfurt
258 Delegierte, die Mitglieder des DFB-Präsidiums und des Vorstandes, Ehrenmitglieder, und die Mitglieder der Ausschüsse und Rechtsorgane sowie zahlreiche Gäste und Ehrengäste waren geladen.
Im Mittelpunkt der Tagung stand die Neuwahl des DFB-Präsidenten. Fünf Regional- und 21 Landesverbände sowie der Ligaverband hatten zuvor die Kandidatur unterstützt. Der WFLV gratuliert Dr. Theo Zwanziger zu seiner Wahl als zehnter DFB-Präsident.
Mit der Wahl des neuen Präsidenten endete satzungsgemäß die Amtszeit der am 23. Oktober 2004 beschlossenen Doppelspitze mit Gerhard Mayer-Vorfelder als Präsident und Dr. Zwanziger als Geschäftsführendem Präsidenten. Die Entlastung erfolgte einstimmig.
Den Delegierten lagen 23 Anträge vor, die „in der zweiten Halbzeit“ abgestimmt wurden:
Zu den ursprünglichen Anträgen 1 - 3 zur Spielklassenstruktur des DFB lagen nach einer Sondersitzung der Präsidenten und Vorsitzenden der DFB-Mitgliedsverbände mit der Unterkommission Spielklassenstruktur am 07.09.2006 Änderungsanträge vor, die die WFLV-Delegierten in ihrer Vorbesprechung einhellig unterstützten. Mit breiter Mehrheit wurde der Verfahrensantrag des Württembergischen Fußballverbandes - der eine Vertagung der Beschlussfassung auf den ordentlichen Bundestag 2007 beinhaltete - abgelehnt.
Mit ebenso breiter Mehrheit wurde die Einführung einer einteiligen dritten Liga mit 20 Mannschaften ab der Spielzeit 2008/09 beschlossen, die vom DFB getragen und verwaltet wird. In der Spielzeit 2007/08 qualifizieren sich sportlich jeweils die zehn bestplatzierten Mannschaften der Abschlusstabelle der beiden Staffeln der Regionalliga. Davon steigen gemäß der DFB-Spielordnung vier Mannschaften in die 2. Bundesliga auf und werden durch die vier Absteiger aus der 2. Bundesliga ersetzt. Neben der sportlichen Qualifikation sind zwingend die vom DFB-Präsidium festgelegten wirtschaftlichen und technisch-organisatorischen Zulassungsvoraussetzungen zu erfüllen. Die nach Abschluss des Zulassungsverfahrens nicht für die dritte Liga qualifizierten Mannschaften der derzeitigen zweigeteilten Regionalliga steigen in die neue dreigeteilte Regionalliga ab.
Darunter wird als weitere Spielklasse des DFB eine dreigeteilte Regionalliga (4. Spielklasse) mit jeweils 18 Mannschaften gebildet. Der DFB kann unter seiner Federführung die spieltechnische Verwaltung der drei Regionalliga-Staffeln jeweils einem Mitgliedsverband des DFB übertragen.
Über die Struktur der fünften Spielklasse sowie über die Ergebnisse der Verbandsstrukturreform entscheidet der DFB-Bundestag 2007.
Außerdem wurde auf Antrag des DFB-Jugendausschusses die Gründung der B-Junioren-Bundesliga zur Spielzeit 2007/2008 beschlossen, die sich an die Strukturen der A-Junioren-Bundesliga anlehnt. Auch die Junioren-Bundesliga der B-Junioren soll in drei Staffeln mit je 14 Vereinen spielen. Die Vereine des WFLV spielen in der Junioren-Bundesliga West. Bis zum 20. Juni 2007 sind die Qualifikanten durch den Regionalverband zu melden. Anträge auf Zulassung von interessierten Vereinen sind bis zum 1. März 2007 beim DFB einzureichen.
Infolge FIFA-Vorgaben in Umsetzung des Artikels 55 des FIFA-Disziplinarreglements (Nicht-Diskreminierung) wurden § 2 der DFB-Satzung und § 9 der DFB-Rechts- und Verfahrensordnung einstimmig geändert. Bis auf Antrag Nr. 16, der die Zustimmung der FIFA zu Spielen zwischen zwei Mannschaften, die verschiedenen Nationalverbänden angehören vorsieht sowie internationalen Wettbewerben, wurden alle Anträge verabschiedet.
Den Teilnehmern lag neben den Abstimmungsunterlagen die Kurzberichte der Unterkommission Spielklassenstruktur (von Hermann Korfmacher) und Verbandsstruktur (von Dr. Hans-Georg Moldenhauer) sowie der Abschlussbericht der DFB-Oberligastudie 2006 vor. Veröffentlicht wurden auch die Dokumentation zur FIFA FUSSBALL-WELTMEISTERSCHAFTSDeutschland 2006 „Die Welt zu Gast bei Freunden“ und die DFB-Empfehlungen für Kunststoffrasenplätze / Planung und Bau, Pflege und Erhaltung.
Der ehemalige Bundesinnenminister Otto Schily, der langjährige Ligadirektor des DFB und Vorsitzende der DFL-Geschäftsführung, Wilfried Straub, und Dr. h.c. Alfred Sengle, der viele Jahre dem DFB-Präsidium angehörte, wurden auf dem a. o. DFB-Bundestag zu Ehrenmitgliedern ernannt.
Dr. Herbert Schmalstieg, seit 1972 amtierender Oberbürgermeister von Hannover, erhielt für seine Verdienste um den Fußballsport die Verdienstspange des DFB.
Unmittelbar nach dem Bundestag beschloss das DFB-Präsidium in seiner konstituierenden Sitzung einstimmig, Franz Beckenbauer offiziell für die FIFA-Exekutive zu nominieren. Auf dem UEFA-Kongress muss sich Beckenbauer dann dem Votum der Vertreter der 52 Mitgliedsverbände stellen. FIFA-Präsident Joseph S. Blatter hatte schon zuvor erklärt, dass er ein Mitwirken des 103-maligen deutschen Nationalspielers im FIFA-Exko sehr begrüßen würde.