Wie nutzen wir den WM-Fußball-Boom an der Basis? - Oder: Wissen ist Macht – macht’ was daraus! (1)
Überlegungen und Anregungen zum „lebenslangen Lernen“ im Hinblick auf Übungsleiter/innen, Trainer/innen, Eltern und andere engagierte Helfer/innen im Jugend-Fußball
Wer noch in den schönen Erinnerungen an das „Sommermärchen“ der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 dahinschwelgt, darf darunter nicht vergessen, dass jeder Erfolg und jede überdauernde sportliche Fertigkeit zumeist auf einer soliden Trainingsgrundlage reift. Sportwissenschaftler würden den Trainingsbegriff als „systematisches, planvolles Handeln bzw. Üben“ umschreiben und den Erfolg als „Bewegungslernen“ oder als „überdauernde Verhaltensänderung“. Soweit zur Theorie!
Was macht man nun aber, wenn die Freude an der Leistung unserer Fußball-Nationalmannschaften – sowohl bei Mädchen und Jungen, Frauen und Männern – so stark ist, dass man dieses „magische Runde“ auch selbst einmal in „das Eckige“ befördern möchte? Man meldet sich bei einem Fußballverein an! Und das löst in seiner Summe einen Fußballboom aus – und genau dieser tolle Effekt hat sich in Folge der WM ereignet! Die Anmeldezahlen besonders im Kinder- und Jugendbereich in unseren Fußballvereinen sind spürbar nach oben geschnellt. Das ist wunderbar für die Sportart aber auch eine Herausforderung für die Organisation in den Verbänden und den Vereinen, besonders an die Trainer/innen, Betreuer/innen und Helfer.
Was kann man tun, zur flächendeckenden Bewältigung eines Fußball-Booms?
Der Deutsche Fußball-Bund hat gemeinsam mit seinen Landesverbänden bereits im Vorfeld eine „Qualifizierungsoffensive“ ausgelöst, die auf der modernen Organisationsform von „Kurzschulungen vor Ort“ basiert und in unterschiedlichen Modulen angeboten werden kann. Das Motto lautet „Fußball kompakt an der Basis für die Basis“ – ein Modul sind z.B. „Kleine Spiele“ für die Altersgruppe Bambini bis E-Junioren. Mit diesen Kurzschulungen wurden im Vorlauf zur WM ab 2005 insgesamt mehr als 30.000 Teilnehmer/innen bundesweit erreicht. Das ist ein toller Erfolg und sicherlich eine wichtige Maßnahme! Daneben laufen weiterhin die umfassenderen und zeitintensiveren Lizenzausbildungsgänge für Übungsleiter/innen und Trainer/ innen in den Fußballverbänden. Und auch im Internet gibt es unter Training online auf der DFB-Homepage sehr gute Hilfen, wenn man die Grundlagen bereits beherrscht.
Was macht das Training in der Jugendarbeit so anspruchsvoll? Der Zeitgeist (lifestyle) hat sich gewandelt und auch die Werbung suggeriert der Jugend, dass Leichtigkeit, Freude und Spaß (“fun”) die Voraussetzungen für erfolgreiches Sporttreiben seien. Dem ist, bei kritischer Betrachtung, ja leider nicht so! Wer im Sport eine solide Grundausbildung erfährt, kann nahezu auf jeder individuellen Entwicklungsstufe Spaß und Freude erfahren – die Übungen müssen jedoch immer angemessen, abwechslungsreich, später durchaus auch fordernd/fördernd und wegen der Erfolgserlebnisse in ihren Zielsetzungen erreichbar sein. Da selten alle Spieler/innen das gleiche Leistungsniveau haben, erschwert dies die Aufgabe des Vermittlers: er muss mit unterschiedlichen Trainingsgruppen gleichzeitig arbeiten (Binnendifferenzierung) oder soziale und teamorientierte Trainingsprogramme, des „sich gegenseitigen Helfens“ initiieren. Eine anspruchsvolle Aufgabe! Wer diese beherrscht, vermittelt den Kindern und Jugendlichen Freude durch Vielfalt und Spaß (“fun“) durch den Erfolg beim eigenen Handeln. Das macht Sport als Bildungsinhalt, für den Menschen und für unsere Gesellschaft wesentlich aus. Wer seine Fähigkeiten auf diesem Wege zu persönlichen und sportlichen Fertigkeiten (Können) entwickelt, erreicht ein Niveau, auf dem er kreativ handeln kann, Entscheidungen schnell und unter weiteren, taktischen Aspekten treffen kann – das macht dann „richtig Spaß!“ Es darf allerdings nicht übersehen werden, dass gerade im Jugendfußball, entwicklungsbedingt (Pubertät), die Leistungskurve nicht immer ansteigen kann. Wachstumsschübe verursachen zuweilen eine Beeinträchtigung der Koordination und auch die psychische Reifung bringt schon einmal Motivationsstörungen hervor – hier ist es ratsam, sich Grundkenntnisse zu erarbeiten, um die „Anzeichen im Trainingsgeschehen“ richtig zu interpretieren.
Wo gibt es Hilfen für Menschen, die sich für die Sportart Fußball selbst interessieren oder die in der Ausbildung und Betreuung junger Menschen im Verein mithelfen wollen? Neben den oben bereits erwähnten Lizenzausbildungen, Kurzschulungen und Internetinformationen in den Fußballverbänden (DFB, WFLV, FLVW, FVM, FVN) gibt es eine Vielzahl von Literatur, die Grundkenntnisse, eine Vielfalt von Übungsformen für verschiedene Zielgruppen und Spezialthemen interessant vermittelt. Diese wollen wir mit unseren Beiträgen näher beleuchten! Im Folgenden stellen wir einige Titel aus dem Bereich „Jugendfußball“ für Sie vor, die einerseits für die jungen Spieler/innen selbst geeignet sind, engagierten Eltern (ohne Lizenzausbildung) einen Überblick zum Helfen geben und nicht zuletzt auch tätige (lizenzierte) Übungsleiter/innen und Trainer/innen mit neuen Anregungen und einer Erweiterung ihrer Handlungsmöglichkeiten dienen.
Wer sich in Eigenverantwortung und aus eigenem Engagement auf diesem Wege informiert, trägt mit dazu bei, dass der Fußball-Boom nach der WM nicht auf Grund fehlender Voraussetzungen versiegt – es lohnt sich!
Wolfgang Schwehm
Die nachfolgend abgedruckten Inhaltsangaben und ausgewählten Titelseiten zu den entsprechenden Fachbüchern sind im Meyer & Meyer Fachverlag und Buchhandel GmbH, Aachen, erschienen.
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