Podium von links: Prof. Dr. Jürgen Schwark – FH GE, Klaus Jahn – Präsidium WFLV, Gerrit Dijkhuizen – Management Fußballakademie Twente/Heracles, Dirk Lehmann – Ex-Profi 1. FC Köln, Heinz Croonenbroeck (halb verdeckt) – Präsidium FVN, Rolf Rojek – 1. Vors. Schalker Fanclub-Verband, Ludger Triphaus – Vizepräsident EAdS.)
Integrationsseminar der Europäischen Akademie des Sports (eads) Velen in Kleve
• Oft fehlt beim Kicken mit Ausländern der integrative Kick
• Kontinuierlicher Eingliederungsprozess:
Niederländer stellen 27 Millionen Euro bereit
• Beim FC Schalke keine Probleme mit Ausländern: Einmal blau, immer blau
„Wenn ein oder zwei Ausländer in einer Mannschaft spielen, ist das ein feiner folkloristischer Touch. Bei vier bis sechs Spielern schlägt die Mehrheit um. Und wenn noch mehr Migranten in einem Team stehen, sagt der Vereinsvorstand: Das wollen wir nicht.“ Beispiele aus früheren Jahren seien nach wie vor aktuell, referierte Professor Dr. Jürgen Schwark von der Fachhochschule Gelsenkirchen/Abteilung Bocholt bei einem Fußball- Integrationsseminar der Europäischen Akademie des Sports (eads) Velen bei der Euregio Rhein-Waal in Kleve. Das Fazit des Nachmittags, bevor es zum Spiel der niederländischen Eredivisie Vitesse Arnheim gegen Excelsior Rotterdam (2:3) ging: Beim gemein-samen Kicken mit Ausländern fehle oft noch der integrative Kick – trotz vieler Ansätze.
Die Verbände hätten in den vergangenen Jahren tatsächlich schon viele Initiativen eingeleitet. Eine erfolgreiche davon, so Rainer Engler: „respect“, eine Aktion des West- deutschen Fußball- und Leichtathletikverbandes (WFLV). In den Niederlanden zum Beispiel, hieß es in einem der fünf Workshops, würden 27 Millionen Euro bereitgestellt, um Migranten in Klubs zu bringen. Vereinsbegleiter sprächen Eltern von ausländischen Kindern persönlich an, so Jack Mulstege vom Niederländischen Fußballverband. „Die Integration von Migranten, so der einhellige Tenor, ist sicherlich ein fortlaufender Prozess mit Einbindung von Verein, Verband und Kommune und kann keine Einzelaktion sein“, fasste eads-Leiter Reinhardt te Uhle im Pressedienst der Akademie zusammen.
Und dafür sollten auch gut ausgebildete Übungsleiter und Trainer in den Klubs zur Verfügung stehen, die entsprechend finanziert werden müssten. „Integration ist eine aktive, kontinuierliche, gestalterische Aufgabe“, so te Uhle. Die Fußballverbände und die Sportjugend NRW haben mit dem Einsatz von Stützpunktvereinen und dem Einsatz von Problemlotsen bereits viel versprechende Zeichen gesetzt.
„Fußball grenzenlos: Motivation und Integration im grenzüberschreitenden Fußball“, so der Titel der Veranstaltung mit 70 Teilnehmern aus Belgien, Holland und Deutschland. Sie war Schlusspunkt einer länderüberschreitenden Zick-Zack-Fußballserie mit 30 Turnieren. An ihr hatten im vergangenen Jahr im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft in Belgien, Holland und Deutschland 10.000 vorwiegend jugendliche Spieler teilgenommen. Unterstützt wurde das Projekt von zahlreichen Verbänden und der Euregio Rhein-Waal mit Sitz in Kleve.
Angesichts der jüngsten Gewaltaktionen im deutschen Fußball seien vorbeugende Maßnahmen nicht nur in der Bundesliga, sondern auch in den unteren Ligen zu überdenken, sagte der Vizepräsident der Akademie, Ludger Triphaus, in Kleve. Triphaus: „Wir sind der Überzeugung, dass der Sport und insbesondere der Fußball eine wichtige und bedeutende Rolle für das Zusammenleben in der Grenzregion spielt. Neue Veränderungen im Schulleben, etwa durch die Einführung der Ganztagsschule, sind auch für den Fußball zu bedenken.“
Die eads wolle mit ihren Partnern „im Fußball Hindernisse abbauen und Brücken für mehr Zusammenarbeit und Dialog im Sport aufbauen“, unterstrich Triphaus. Dazu würden auch Fußballgroßereignisse beitragen wie in diesem Jahr die Junioren-Europameisterschaften der Altersklassen U17 in Belgien und U20 in den Niederlanden.
Mit dem Thema „Chancen und Grenzen der Integration im Fußball“ hatte Ex-Profi Dirk Lehmann (1. FC Köln, FC Fulham, Energie Cottbus) in Schottland seine eigenen Erfahrungen gemacht. Während der Podiumsdiskussion, die gewohnt souverän und kurzweilig von WFLV-Präsidiumsmitglied Klaus Jahn geleitet wurde, erklärte er: „Celtic und die Rangers in Glasgow sind strikt religiös getrennt; bei Celtic hat noch nie ein Protestant gespielt, bei Rangers noch kein Katholik. Dieses Problem der Fans ist aber keines in den Mannschaften. Die Spieler verstehen sich gut.“ Er selbst habe gute Erfahrungen im Ausland gemacht: „Wichtig ist allerdings, die Landessprache zu sprechen.“
Problemlos sei auch beim FC Schalke 04 das Zusammenspiel mit vielen Profis verschiedenster Nationen, berichtete Rolf Rojek, Vorsitzender des Schalker Fanclub-Verbandes mit 65.000 Mitgliedern in 1.300 Gruppen: „Ob unsere Fans aus Moskau, Athen oder Enschede anreisen – wir verstehen uns. In der Fanszene spielt das auch absolut keine Rolle, ob ein Spieler aus Deutschland oder dem Ausland kommt – Hauptsache, der hat ein blaues Trikot an.“ Schlimm seien Verunglimpfungen und Beschimpfungen im Winter gegenüber dem dunkelhäutigen Spieler Gerald Asamoah gewesen, „zumal er doch deutscher Nationalspieler ist“, erinnerte Rojek. Bei den Anhängern gelte ganz klar die Maxime, ähnlich dem Namen eines Bocholter Fanclubs: „Einmal blau, immer blau – jeder Schalker wird als Schalker angesehen.“
Auch für die Medien war das Thema interessant. So war ein Team des WDR vor Ort, das für die Berichterstattung in der abendlichen „Aktuellen Stunde“ drehte. Ausführlicher konnte WFLV respect-Beauftragter Rainer Engler in der sich dann anschließenden Sendung „Lokalzeit Duisburg“ - zu der er als Studiogast eingeladen wurde - auf die Problematik eingehen.