Von langen Anläufen, vielen Hürden und hochgelegten Latten
Unzählige Redaktionssitzungen sowie Abstimmungsgespräche en masse, die Koordination aller beteiligten Partner und gleichzeitig immer die Sachorientierung im Blick, auch wenn es sich um Leichtathletik handelt, kein leichtes Unterfangen.
All dies war notwendig, um im Frühjahr die erste Fortschreibung des gültigen „WFLV-Regionalkonzeptes Leichtathletik 2005 - 2008“ präsentieren zu können. Das gemeinsame Werk der beiden Leichtathletik-Fachverbände Nordrhein (LVN) und Westfalen (FLVW) mit dem verheißungsvollen Titel „Leichtathletik 2012“ - London lässt grüßen - ist zwischenzeitlich durch den Deutschen Olympischen Sportbund, den Deutschen Leichtathletik Verband, das Innenministerium des Landes NRW, den LandesSportBund NRW, die NRW-Olympiastützpunkte NRW ratifiziert worden und hat entsprechend bindenden Charakter.
Zudem leistete die Konzeption als offizieller WFLV-Antrag auf Zuwendung von Lohnzuschüssen für hauptberufliche Trainer gegenüber der Sportstiftung NRW wertvolle Dienste. So konnte der WFLV im März 2007 den Bewilligungsbescheid der Sportstiftung in Höhe von 350.000,00 € entgegen nehmen.
Einzigartige Vielfalt
Macht man sich der Tatsache bewusst, dass sich unter dem Dach der Leichtathletik 45 verschiedene - olympische Disziplinen - und dementsprechend 135 olympische Medaillen verbergen, wird einerseits das mögliche Erfolgspotential sichtbar, andererseits lässt sich erahnen, wie Komplex und individuell eine Förderkonzeption aussehen muss, die als Beispiel Hammerwerfer und Geher oder Dreispringer und 400m-Hürdenläufer unter einen Hut bringen muss.
Schon im Erstlingswerk von 2005 wurden auf 104 Seiten alle Instrumente leichtathletischer Förderung in NRW zusammen getragen und einer eingehenden Prüfung unterzogen. In „Leichtathletik 2012“ wurden die seinerzeitigen Analysen sowie die sich daraus ergebenden Zielstellungen deutlich präzisiert und um wesentliche Punkte ergänzt. Es führt darüber hinaus die beschriebenen Bestrebungen zu einer gemeinsamen Darstellung und Vertretung für die nordrhein-westfälische Leichtathletik konsequent weiter.
Sportliche Ausgangslage
Beide Landesverbände sind in den Leistungsbilanzen des DLV über alle Altersklassen (außer Senioren) mit großem Abstand führend und belegen damit ihren Stellenwert für die Leichtathletik in Deutschland und darüber hinaus.
Die sportliche Ausbildung und Leistungsentwicklung von Leichtathletinnen und Leichtathleten findet zuallererst in den ca. 160 leistungssportlich ausgerichteten Vereinen Nordrhein-Westfalens statt. Im Jahre 2005 konnten sich Athletinnen und Athleten aus über 120 Vereinen Nordrhein-Westfalens für den nationalen Saisonhöhepunkt - die Deutschen Jugendmeisterschaften - qualifizieren.
Folgende Förderinstitutionen sind installiert:
- ca. 1.400 Vereine, von denen ca. 160 Vereine direkt im Leistungssport jugendlicher und erwachsener Athleten vertreten sind (Teilnahme an nationalen Meisterschaf- ten) und die weiteren Vereine zum überwiegenden Teil wichtige Zubringerfunktionen erfüllen.
- 31 Landesleistungsstützpunkte
- 28 Landeskader
- 19 Talent-Förderprojekte
- 7 Teilinternate
Kernpunkte und langfristige
Zielstellungen nordrhein Höchstrangige Sachaufgabe für die Leichtathletik in NRW ist nach wie vor die auf bestmögliche Wettkampfergebnisse im Aktivenalter zielende Sicherstellung und qualitative Weiterentwicklung aller trainingsrelevanten Maßnahmen (Zielsetzung, Planung, Durchführung, Kontrolle, Rückkopplung).
Gemäß der unbestritten hohen Bedeutung des „Bezugssystems“ Athlet-Trainer nimmt der Erhalt bzw. die Erweiterung des hauptberuflichen Trainernetzwerkes entsprechend zentrale Bedeutung ein.
Orientiert an den aktuell diagnostizierten Problemen lassen sich folgende Zielstellungen bzw. Handlungsschwerpunkte für den genannten Zeitraum ableiten:
o Eine weitere Verbesserung der Personalsituation mit dem zentralen Schwerpunkt Anstellung bzw. Weiterbeschäftigung von Trainern
o Erzielung einer verbesserten Übergangsquote vom D- und D/C- Kader in den C-Kader des DLV
o Verringerung der Drop-Out-Quote mit Akzentuierung auf den Altersbereich U 23
o Die Forcierung des Ausbildungsbereiches mit dem Schwerpunkt Trainerqualifikation und Qualitätsmanagement durch die Erweiterung des bestehenden Lehr-Teams um Vollzeit-Referenten
o Bewusstmachung und Verbesserung des Gesundheitsmanagements der Kaderathleten
o Strukturelle Stärkung der Landesleistungsstützpunkte durch Wettbewerb; Forcierung der vereins-, evtl. sportartübergreifenden Trainingsmaßnahmen; Disziplinblockorientierung und Sportstättenentwicklung
o Effektivierung des Verbundsystems Schule - Hochschule - Leistungssport
o Weiterentwicklung der Talentsichtung und Talentförderung durch Anstellung von Talentscouts/-betreuern zur systematischen Sichtung in der Zusammenarbeit von Schule und Vereinssport
o Systematisierung der sportmedizinischen Versorgung
o Sportartübergreifender Know-how-Transfer konditioneller und koordinativer Trainingsaspekte in die NRW-Profivereine im Fußball durch mischfinanzierte Leichtathletiktrainer
o Anstellung von zwei Cheftrainern und eines Leistungssportmanagers unter dem Dach des Westdeutschen Fußball- und Leichtathletikverbandes (WFLV)
o Verbesserung der Kooperation mit dem DLV, den Olympiastützpunkten, Hochschulen und Wirtschaftsunternehmen
Aussicht
Die Umsetzung der Konzeption ist im vollen Gange, mit der Bewilligung zur Trainer(mit)finanzierung durch die Sportstiftung NRW besteht nunmehr entsprechende Planungssicherheit und die zugehörige Zuversicht, die beschriebenen Projekte auf breiter Front anzugehen. Ein kleiner Augenmerk soll nicht unerwähnt bleiben: erstmals ist geplant, die im WFLV zusammengefassten Sportarten Fußball und Leichtathletik durch einen engen sportfachlichen Transfer gegenseitig von einander profitieren zu lassen, die ersten Überlegungen sind niedergeschrieben, Gespräche von Vertreten der Sportpraxis beider Fachschaften stehen unmittelbar bevor.