Mehr als 200 behinderte Fußballer gaben mutig ihr Bestes
Zum Auftakt des Endturniers im „Bundeswettbewerb Fußball“ der Werkstätten für behinderte Menschen, das vom 15. bis 18. September in der Sportschule Duisburg-Wedau ausgetragen wurde, erklärte Bundestrainer Michael Skibbe: „Für die behinderten Fußballer ist dieses Turnier ein ganz besonderes Erlebnis. Sie können sich beweisen, werden als Sportler akzeptiert und als normales Mitglied der Gemeinschaft wahrgenommen.“ Skibbe zählte zu den prominenten Gästen und Teilnehmern der Finalrunde, die von der Sepp-Herberger-Stiftung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Zusammenarbeit mit der Bundesarbeitsgemeinschaft „Werkstätten für Behinderte“ (BAG/WfB), Special Olympics Deutschland und dem Deutschen Behindertensportverband (DBS) organisiert wurde. „Dieses Turnier mit auszurichten ist eine großartige Aufgabe für unseren Verband“, unterstrich der Präsident des Fußballverbands Niederrhein (FVN), Walter Hützen.
Siegerteam "Recklinghauser Werkstätten" aus Nordrhein-Westfalen
Mehr als 200 geistig und/oder psychisch behinderte Fußballer und Fußballerinnen waren aus ganz Deutschland zur Sportschule Wedau gekommen. „Das sozial- und gesellschaftspolitische Engagement der Sepp-Herberger- und Egidius Braun-Stiftungen hat sich neben dem Leistungs- und Breitensport als dritte Säule im DFB etabliert“, betonte Wolfgang Möbius als Vertreter des DFB. Und Hermann Korfmacher, Präsident des Westdeutschen Fußball- und Leichtathletikverbands (WFLV), DFB-Vorstandsmitglied und selbst Geschäftsführer einer Behindertenwerkstatt, unterstrich: „Unser Fußballsport verbindet alle Menschen. Soziales Engagement lässt sich so auf den wichtigen Bereich der Arbeit mit Behinderten übertragen.“
Wolfgang Möbius und Hermann Korfmacher vor der Siegerehrung
Reibungslos und gut organisiert gingen die Partien um die ausgespielten Pokale und Medaillen unter der Spielleitung der FVN-Mitarbeiter Willi Nessel und Hans Möllney über die Bühne. Dabei verhielten sich die Kicker aus den 16 Bundesländern von der ersten bis zur letzten Minute auf und neben dem Rasen vorbildlich.
Als kleine Belohnung und zusätzlichen Ansporn wurde den behinderten Fußballern im Alter ab 18 Jahren parallel zum Kleinfeldturnier in der Sportschule ein umfangreiches Rahmenprogramm geboten: Außer der Eröffnungsfeier, zu der neben Bundestrainer Skibbe auch der ehemalige Bundes-Außenminister Dr. Klaus Kinkel in seiner Eigenschaft als Kuratoriums-mitglied der Sepp-Herberger-Stiftung erschienen war, standen unter anderem ein Besuch der Arena „Auf Schalke“ mit einer Autogrammstunde des ehemaligen Nationalspielers Olaf Thon auf dem Programm.
Gemäß des Special Olympics-Eids „Lasst mich gewinnen! Doch wenn ich nicht gewinnen kann, lasst mich mutig mein Bestes geben!“, der vor dem Turnier vom 19-jährigen Recklinghäuser Spieler Rafael Bink gesprochen wurde, präsentierten sich die über 200 Aktiven bei ihren Spielen. Am Ende war die Mannschaft der „Recklinghäuser Werkstätten“, die Nordrhein-Westfalen als Landessieger vertrat und einige Nationalspieler in ihren Reihen hat, das Sieger-Team. Die von den Trainern Gisbert Schugall, Bertram Weh und Achim Althoff betreuten Fußballer im Alter zwischen 19 und 46 Jahren gewannen sechs ihrer sieben Spiele, blieben ungeschlagen und verwiesen die „Westpfalz-Werkstätten“ (Rheinland-Pfalz) und die „Lebenshilfe Prignitz“ (Brandenburg) auf die Plätze.
Michael Skibbe (v.l.), Dr. Klaus Kinkel und Walter Hützen bei der Eröffnungsfeier.
Über das Lob, das alle teilnehmenden Mannschaften kassierten, freuten sich die Spieler genauso wie über ihre Erfolge auf dem Rasen. Der Recklinghäuser Stürmer Tufan Civelek war nicht nur auf dem Spielfeld erfolgreich, sondern drückte auch das Gefühl seiner Kicker-Kollegen treffend aus: „Das ist gut, wenn man gelobt wird. Das gibt neue Kraft für das nächste Spiel.“ Und ganz bestimmt nicht nur dafür!
Eines haben alle Spieler und Spielerinnen, die in Duisburg-Wedau zusammen kamen, gemeinsam: Fußball ist in den insgesamt rund 700 Werkstätten, in denen 220.000 behinderte Personen beschäftigt sind, die Sportart Nummer eins und für viele die größte Leidenschaft.
Und dass das Miteinander nicht nur auf dem Fußballplatz im Vordergrund stehen soll, unterstrich ein weiteres Kicker-Idol. Der ehemalige Vize-Weltmeister Wolfgang Weber nahm zum Abschluss der vier Tage die Siegerehrung vor, lobte die engagierten Fußballer für ihr vorbildliches und faires Verhalten und erntete selbst reichlich Applaus, als er von der Behinderten-Sportorganisation Special Olympics zum ersten „zertifizierten Fußball-Botschafter“ Deutschlands gekürt wurde.