Eine Qualifizierungsoffensive für unsere Mitarbeiter/innen in den Fußball- und Leichtathletikvereinen des organisierten Sports ist dringend erforderlich. Diese Erkenntnis haben die Dachverbände DFB und DLV und der LandesSportBund NRW durch Umfragen gestützt in Konzepte umgesetzt. Das WFLV-Präsidium hat sich in seiner Sitzung vom 14. Oktober 2003 einstimmig für einen aktiven Zukunftskurs in Sachen Qualifizierung (Aus- und Weiterbildung) entschieden. Der beabsichtigte Eintritt in das LSB-Organisationsmodell „Qualifizierungszentren des Sports“ ist ein struktureller Schritt in diese Richtung. Dem WFLV-Bildungswerk wird die Koordination und Federführung des WFLV-Qualifizierungszentrums übertragen, zusätzlich werden die Ausbildungsmittel nach dem novellierten Weiterbildungsgesetz (WbG) neu ausgerichtet.
In Zeiten knapper Kassen und spürbarer Veränderungen im Freizeitverhalten der Menschen in unserer Gesellschaft ist die Umsetzung einer Qualifizierungsoffensive im organisierten Sport der Vereine und der Verbände keine leichte Aufgabe. Neuere Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass Ausbildungsbedarf bei vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen besteht, die Bereitschaft zu einer eher kurzzeitigen Bindung und Ausbildung gegeben ist und Ausbildungseinheiten am liebsten wohnortnah und außerhalb der Wochenenden gewünscht werden. Ein häufiges Motiv für das Engagement neuer Erwachsener im Verein ist der Eintritt der eigenen Kinder – dieses Potential engagierter Eltern muss aktuell genutzt werden. Daneben darf jedoch die Weiterbildung und Motiva-
tion ausgebildeter und langjähriger Übungsleiter und Trainer nicht vernachlässigt werden. Der moderne Verein kann sich dem Wettbewerb und Vergleich mit kommerziellen Anbietern heute nicht entziehen, doch er hat da durchaus Stärken, die es zu nutzen gilt: das Preis/Leistungsverhältnis, die Gemeinschaft, das Angebot der Sportarten und des Wettkampfsystems, vielleicht die Integration aller Familienmitglieder in Sport, Vereinsleben, soziale Komponenten oder Organisation. Nur: ohne Qualität und zeitgemäße Angebote kann sich auf Dauer kein Verein erfolgreich halten! Hier schließt sich der Kreis zur Qualifizierung, also einer soliden Ausbildung und regelmäßiger Fort- und Weiterbildung für die Funktionsträger/innen – das gilt für den aktiven, sportpraktischen Bereich ebenso, wie für den verwaltend organisatorischen Funktionskreis.
Belastungen aus der Arbeitswelt und dichtere Informationsfrequenzen unserer Zeit scheinen Veränderungen im Freizeitverhalten unserer Gesellschaft hervorzurufen: Entspannung und Stressabbau sind gefragt, auch Ausgleich von Bewegungsmangel. Gerade längere Erholungseinheiten, wie Wochenenden werden nur noch zaghaft ganz verplant und längere Anreisen sind nicht zuletzt auf Grund der Verkehrsbelastungen in Ballungsräumen meist unbeliebt – außerdem teuer. Lange Ausbildungsgänge und aufwändige Prüfungen erzeugen Druck – modulare Ausbildungssysteme mit lernbegleitenden Beurteilungen überschaubarer Lerneinheiten spiegeln die neuen Wege der Erwachsenenbildung wider, mit Lernhelfern und –beratern statt Prüfern.
Antworten, zur Lösung dieser modernen Herausforderungen unserer Zeit geben die neuen Konzeptionen der Qualifizierungsoffensive in Fußball und Leichtathletik (des DFB und DLV) und das Organisationsmodell der „Qualifizierungszentren des Sports“ zur Bündelung von Kräften und Synergieeffekten für eine intensivere und effektivere Qualifizierungsarbeit vor Ort.
So wären zum Beispiel das DFB-Talentförderprogramm mit „Infoabenden für Vereinstrainer“, die „Kurzschulungen für Vereinsjuniorentrainer“ und die Erarbeitung der „Mindestanforderungen für eine zeitgemäße verbandliche Lehrarbeit“ zu nennen. Die Ausbildungsangebote der Laufakademie des FLVW zum LaufLehrTrainer für Walking und Jogging (Leichtathletik) gehen neue Wege.
Und strukturell kann das Organisationsmodell „sportartspezifisches Qualifizierungszentrum des Sports“ (Entwurf LandesSportBund NRW) nach einigen Modifikationen, durch das engmaschige, flächendeckende Netzwerk der Vereinsstrukturen und den hohen Organisiertheitsgrad in Fußball und Leichtathletik abgebildet werden. Nach dem Leitbild „der Verband kommt zum Verein oder das Ausbildungsangebot zu den Interessenten vor Ort“ lassen sich erste modulare Bausteine zu einer qualifizierten Ausbildung oder aktuelle Trends durch Kurzschulungen vermitteln, Interesse bei potentiellen Mitarbeiter/innen wecken, interessante Anregungen für Training und Breitensport streuen.
Das Ziel des Qualifizierungszentrums ist ein bedarfsweckendes und bedarfsdeckendes Angebot an Qualifizierungsmaßnahmen, das dezentral in den Kreisen und Vereinen die zentralen Ausbildungseinheiten in den Sportschulen des Fußballs und der Leichtathletik, im Sinne der Ausbildungsordnungen, ergänzt. Im Netzwerk der Qualifizierung könnten zusätzlich die regionalen Qualifizierungszentren der Bünde mit einbezogen werden. Ergänzt durch Kommunikationsmittel und personale Beratungskompetenz verpflichten sich Qualifizierungszentren zur Qualitätssicherung, Evaluation und Weiterentwicklung der Qualifizierungskonzeptionen. Zielsetzung ist ein „Konzept zur umfassenden Gewinnung, Qualifizierung und Betreuung der Lehr- und Beratungskräfte des organisierten Sports, da letztlich nur mit diesen Personen die Qualität von Information, Beratung und Schulung sichergestellt werden kann.“
Das Präsidium des WFLV hat nach einem Impulsreferat des Pädagogischen Leiters WFLV-Bildungswerk, Wolfgang Schwehm, in seiner Sitzung am 14.10.2003 beraten und kam nach intensiver Diskussion zu dem einstimmigen Beschluss, ein sportartspezifisches Qualifizierungszentrum für Fußball und Leichtathletik im Rahmen des Konzeptes LandesSportBund NRW zu beantragen. Die Federführung soll dem WFLV-Bildungswerk übertragen werden, da in dem seit über 20 Jahren, unter der Außenstellenleitung von Willi Scheuerl, erfolgreich arbeitenden Weiterbildungsbereich bereits alle personalen, inhaltlichen und strukturellen Voraussetzungen erfüllt sind (Bündelung von Kräften und Ressourcen). Deutlich herausgestellt wurde, dass die autonome Planung und Durchführung der Lehrarbeit in den Landesverbänden erhalten bleibt und dass besonders die Zusammenführung, Bündelung von Informationen und Bedarfserfassung im Qualifizierungsbereich, die Koordination des landesweiten Angebotes und ein zusammengefasstes Abrechnungswesen mit Zuschussoptimierung zu den Aufgaben des Qualifizierungszentrums/Bildungswerk WFLV zählen werden.
Nach einigen Anpassungswünschen unsererseits und der Verabschiedung des Projektes „Qualifizierungszentren des Sports“ durch den Hauptausschuss LSB im Dezember 2003 können die Schritte zu einem diesbezüglichen Vertragsabschluss zwischen WFLV und LandesSportBund NRW eingeleitet werden.