Einen harmonischen Jugendtag erlebten die Jugendvertreter aus den Fußballkreisen des Westdeutschen Fußball- und Leichtathletikverbandes am 10. Juni 2004 in Duisburg, größere Überraschungen waren nicht zu verzeichnen.
Peter Frymuth, Vorsitzender des WFLV-Jugendfußballausschusses eröffnete den Jugendtag um 10:00 Uhr in der Aula der Sportschule Wedau, begrüßte die zahlreichen Gäste und die 177 angereisten Delegierten. Zu den Ehrengästen zählten u. a. der Vorsitzende des DFB-Jugendausschusses Dr. Dieter Drewitz und die Mitglieder Eberhard Bernatzki, Lothar Bornhuse sowie die Vorsitzende des Ausschusses Mädchenfußball Gisela Gattringer. Vertreter der Sportjugend, des WFLV-Präsidiums und die Vorsitzende des Jugendleichtathletik-Ausschusses Esther Fittko wurden ebenso begrüßt wie der ehemalige WFV-Jugendausschuss-Vorsitzende Norbert Petry und Willi Scheuerl, ehemaliger Vorsitzender des DFB-Jugendausschusses.
Hermann Korfmacher
In seinem Grußwort betonte der amtierende WFLV-Präsident Hermann Korfmacher, dass es für ihn nicht nur eine gute Tradition sei, an dieser Stelle eine Grußnote zu entrichten, sondern dass dadurch auch die besondere Wertschätzung für die Arbeit der anwesenden Jugendvertreter und die hohe Bedeutung der Jugend für den Verband zum Ausdruck komme. Hermann Korfmacher formulierte seine ganz persönliche Meinung: „All unsere Arbeit muss zum Ziel haben, für die uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen die bestmöglichen Rahmenbedingungen zu erhalten und - wo nötig - zu schaffen.“ Er lobte die bislang geleistete Arbeit ausdrücklich, verwies auf die Erfolge der Verbandsauswahlmannschaften und resümierte, dass sich die Leistungen und Ergebnisse der WFLV-Fußballjugend im Vergleich zu anderen Verbänden wirklich sehen lassen können.
Bezug nehmend auf den Amateurkongress des DFB in Barsinghausen stellte er einige Fragen in den Raum, die dort von Prof. Dr. Werner Schmidt formuliert wurden. Hierbei ging es um qualitätssichernde Maßnahmen im Jüngstenbereich, Kooperationsmöglichkeiten mit Schulen/Ganztagsschulen, Wiederbelebung von Bolzplätzen und Veränderungen von Spielformen zur Förderung einer innovativen Spielkultur ähnlich dem Straßenfußball. „Die richtigen Antworten auf diese Fragen können dazu beitragen, dass „Fußball“ weiterhin die Einstiegssportart Nr. 1 in Deutschland bleibt“, schloss der amtierende Präsident sein Grußwort.
Dirk Mays
Dirk Mays, Vorsitzender der Sportjugend NRW dankte in seinen Begrüßungsworten zunächst dafür, die Einladung zum Jugendtag „des größten und wichtigsten Verbandes in Nordrhein-Westfalen“ erhalten zu haben. „Die Sportjugend arbeitet gerne mit dem Fußball zusammen“, führte er weiter aus, „denn es ist in Zeiten schwieriger finanzieller Grundbedingungen gelungen, mit vereinten Kräften eine Lösung zu finden, die von allen Verbänden und insbesondere auch von den Stadt- und Kreissportjugenden mit getragen werden konnte.“
Eine Riesenchance aber auch eine Riesengefahr für den Sport sieht der Sportjugend-Vorsitzende in der Einführung der offenen Ganztagsgrundschule. Er empfiehlt dringend die Kooperation mit den Schulen, damit nicht am Ende die Vereine mit ihrem Sportangebot außen vor bleiben.
Als weiteres Schwerpunktthema der SJ NRW beschrieb Mays das Problem der übergewichtigen Kinder. Er betonte, dass diese Kinder in die allgemeine Vereinsarbeit integriert werden sollten und wünscht sich einen geschärften Blick von Trainern, Übungsleiterinnen und Übungsleitern für dieses Problem, damit diese Kinder dem Sport nicht verloren gehen.
Peter Frymuth unterstrich hierauf, dass die Sportjugend NRW und die WFLV-Fußballjugend in den letzten Monaten tatsächlich enger zusammen gerückt seien und dass der angesprochene Weg gemeinsam gegangen werde.
Im Anschluss bat er den Hauptredner des Tages Dr. Dieter Drewitz, Vorsitzender des DFB-Jugendausschusses, zu den „Herausforderungen für den Jugendfußball im Deutschen Fußball Bund“ zu sprechen.
Dr. Dieter Drewitz
Dr. Drewitz übermittelte zunächst die herzlichsten Grüße von Präsidium, Vorstand und Jugendausschuss des Deutschen Fußball-Bundes und stellte gleichzeitig die große Bedeutung der WFLV-Jugend für den Fußball in Deutschland heraus. „Sie leisten eine hervorragende Jugendarbeit und haben eine Jugendverfassung, die im Deutschen Fußball-Bund einmalig ist“, so Drewitz wörtlich. Und unter Jugendarbeit versteht er mehr als nur gute Fußballspieler hervorzubringen. Für ihn ist es vielmehr die Erziehung zu einem sportlich gut ausgebildeten, aber durchaus an der Gesellschaft aktiv teilnehmenden, ein soziales Umfeld kennenden Menschen.
Im Hinblick auf die prognostizierten Bevölkerungszahlen und den damit verbundenen prozentualen Rückgang der Kinder und Jugendlichen betonte er, dass Gewinnung und Erhalt junger Menschen in den Vereinen weiterhin von großer Bedeutung sein werden. Dies könne unter anderem dadurch erreicht werden, dass der Fußballer in seiner Entwicklung unterschiedliche Angebotsformen erleben darf. Es solle die Freude auf zu erwartendes Neues geweckt werden, andere Spielfeldgröße, neue Mannschaftsstärken, unterschiedlich gestaltete Wettbewerbe. Nur so könne der Reiz am Fußballspielen erhalten und die (von Prof. Dr. Emrich wissenschaftlich belegte) durchschnittliche Verweildauer von 8 Jahren in einem Verein ausgedehnt werden.
Anknüpfend an die Worte seines Vorredners empfahl er, sich auch um die fußballerisch weniger Begabten zu kümmern, da diese langfristig gesehen für ihren Verein sehr wertvolle Dienste im Bereich von ehrenamtlichen Aufgaben wahrnehmen können.
Warnende Worte formulierte Dr. Drewitz, die Jugend nicht als „Steinbruch für die Senioren- und Frauenmannschaften“ zu verstehen, sondern als Nachwuchssicherung. Im Rahmen „eines Bündnisses zwischen Junioren- und Seniorenbereich“ sollten Möglichkeiten entwickelt werden, gerade bei den A-Junioren eine Kontinuität des Mannschaftsverbandes zu sichern.
Eine flexible Gestaltung von organisatorischen Spielberechtigungsformen regte der DFB-Jugendausschussvorsitzende weiter an. Durch den Wegfall von Sperren im unteren Bereich sei viel im Vereinswechselrecht getan worden. Die Förderung von Gastspielerlaubnissen könne ein Instrument sein, um nicht dem „süßen Gift der Spielgemeinschaft“ zu verfallen. Denn das sei, wie die vielen negativen Erfahrungen in verschiedenen Landesverbänden gezeigt haben, eine schlechte Lösung.
Eine Belebung des Mädchenfußballs könne durch die Förderung von Kinderfußball erreicht werden. Denn „Kinderfußball ist die Wurzel für Jungen und Mädchen.“ Hier werde der Grundstein gelegt für einen Spielerpool, aus dem sich später sowohl Jungen- als auch Mädchenmannschaften rekrutieren lassen. Auf diese Weise biete sich auch Vereinen die Möglichkeit, sich dem Mädchenfußball zu öffnen und zusätzlich Mädchenmannschaften aus den Gesamtmannschaften zu bilden.
Resümierend stellte Dr. Dieter Drewitz dann fest, dass „Jugendarbeit nicht 100-Meter-Lauf ist, sondern Marathon, sie muss sich immer wieder neu beweisen“. In diesem Sinne ermunterte er die anwesenden Jugendvertreter, sich jeden Tag aufs Neue der Herausforderung zu stellen und sich für den Jugendfußball zu engagieren
Für seine langjährige Jugendarbeit im WFLV uns als Staffelleiter des U-15 Nachwuchs-Cups erhielt Heiner Thomaßen (FVN) die silberne Ehrennadel überreicht.
Neben Heiner Thomaßen wurden Klaus Degenhardt (FVM und Staffelleiter B-Junioren RL) und Manfred Deister (Vorsitzender des JA FLVW) mit der silbernen Ehrennadel geehrt.
Nach der „Feststellung der Stimmberechtigten“ und der Bestimmung der Wahlprüfungskommission wurden die zum Jugendtag vorgelegten Rechenschaftsberichte und der Jahresabschluss 2003 genehmigt.
Hermann Korfmacher führte als Versammlungsleiter die Entlastung der Jugendausschüsse und der Rechtsorgane herbei und leitete die Wahl des Vorsitzenden des Jugendfußballausschusses. Nach der einstimmigen Wahl übernahm Peter Frymuth wieder das Ruder, um die Wahlen der Beisitzer des Jugendfußballausschusses sowie die Wahlen des Vorsitzenden des Schulfußballausschusses, des Mädchenfußballausschusses sowie der Jugendspruchkammer und des Jugendgerichts nebst Wahl bzw. Bestätigung der jeweiligen Beisitzer durchzuführen.
Willi Stahlmecke
Für Gertrud Israel, Erich Braun, Willi Stahlmecke und Heiner Thomaßen endete damit die ehrenamtliche Tätigkeit im WFLV. Der Jugendtag dankte ihnen für die hervorragende Arbeit.
In gewohnter Weise führte Willi Nessel durch den Paragraphen-Dschungel, die verabschiedeten Ordnungsänderungen sind im Amtlichen Teil veröffentlicht.
In seinem Schlusswort dankte der alte und neue Jugendfußballausschussvorsitzende Peter Frymuth den Delegierten für die konstruktive Zusammenarbeit und für das ihm und seinem Ausschuss für weitere drei Jahre ausgesprochene Vertrauen.
R. Engler/H. Adams
Der neue Jugendfußballausschuss (v. l.: Willi Nessel, Rita Wahl, Manfred Deister, Peter Frymuth, Karl-Heinz Wirsen, Rolf Lüpertz, Klaus Degenhardt, im Bild fehlt: Franz Becker)