Als am 23. und 24. April im Sportschloss Velen das zweite deutsch-niederländische Fußballsymposium „Respekt im Fußball“ über die Bühne ging, standen Werte wie Fairness und Toleranz, aber auch Problemfelder wie Gewalt und Rassismus im Mittelpunkt. Der Westdeutsche Fußball- und Leichtathletikverband e.V.(WFLV) veranstaltete dieses Symposium gemeinsam mit der Europäischen Akademie des Sports (EAdS) und dem Niederländischen Fußballbund (KNVB), District Oost, um zusammen Möglichkeiten aufzuzeigen, wie der Fußballsport dazu beitragen kann, ein Bewusstsein für Respekt und Toleranz zu schaffen und drohender Gewaltbereitschaft vorzubeugen.
Freizeit- und Breitensport Ausschussvorsitzender Klaus Jahn (re.) im Gespräch mit Prof. Dr. Walter Tokarski (li.) und Prof. Dr. Roland Naul (Mitte).
Das Jahr 2004 ist von der EU zum „Europäischen Jahr der Erziehung durch Sport“ deklariert worden. Damit soll zum Ausdruck gebracht werden, dass dem Sport eine wichtige gesellschaftliche Funktion zukommt. Vor allem sollen junge Menschen Werte und Haltungen wie Fairness und Respekt, Verantwortung und Gemeinschaftssinn erfahren und durch den Sport praktizieren lernen.
Leider sieht die sportliche Realität oft noch anders aus - rassistisches und fremdenfeindliches Verhalten ist speziell im Fußball auf vielen Plätzen und in zahlreichen Stadien an den Wochenenden zu erleben. Wie der Fußballsport diesem negativen Phänomen praktisch entgegentreten kann, wurde in diesem zweitägigen, grenzüberschreitenden Symposium demonstriert. Es wurden zunächst mit Hilfe wissenschaftlicher Untersuchungen gegensätzliche Phänomene wie „Fremdenfeindlichkeit“ und „Respekt“ im Sport aus europäischer Sicht beleuchtet, anschließend präsentierten die Teilnehmer konkrete Handlungsansätze und diskutierten über Chancen und Risiken.
Nach der Eröffnung der Veranstaltung durch Theo Rous, Präsidiumsmitglied der Europäischen Akademie des Sports, und dessen Leiter, Reinhardt te Uhle, stellten im wissenschaftlich ausgerichteten Teil des Symposiums Prof. Dr. Walter Tokarski von der Deutschen Sporthochschule, Köln, und Prof. Dr. Roland Naul von der Universität Essen Untersuchungen zur gesellschaftlichen Bedeutung des Fußballsports vor. Während Prof. Dr. Tokarski den Bogen vom beobachteten Verhalten aktiver Sportler über das Fehlverhalten rassistischer und gewaltbereiter „Fan“-Gruppen bis hin zur Sicherheitsgefährdung bei Großveranstaltungen wie Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele durch Rassismus und Terror spannte, verdeutlichte Prof. Dr. Naul mit Hilfe konkreter Zahlen Entwicklungen im Vergleich verschiedener europäischer Länder. So sehen beispielsweise junge Fußballer (speziell Vereinsfußballer) bewusste Regelverstöße durchaus als akzeptabel an, vertritt aber eine Großzahl von Kickern auch die Meinung, dass Fairplay grundsätzlich zum Fußball gehört. Diese Divergenz drückt den oft zu beobachtenden Zielkonflikt „Fairness versus Gewinnen wollen“ aus.
Sehr engagiert spricht Dr. Albert Buisman von der Universität Utrecht zum Thema "Fair Play in der Praxis"
Anschaulich verdeutlichte Dr. Albert Buisman von der Universität Utrecht, dass „Respekt“ nicht nur ein Thema der Sportler untereinander ist, sondern ebenso die Beziehungen Sportler/Trainer oder Sportler/Eltern in die Betrachtung aufgenommen werden muss und das nötige Fingerspitzengefühl im Umgang mit Kindern und Jugendlichen gefordert ist.
Mit der Kernfrage „Wie können gute Konzepte umgesetzt werden?“, stellten im zweiten Teil des Symposiums fünf Vertreter aus drei Ländern (Deutschland, Niederlande, Belgien) praktische Konzepte aus den jeweiligen Landesverbänden vor. Unter der Moderation von WFLV-Präsidiumsmitglied Klaus Jahn unterstrichen Manfred Prömel vom Westdeutschen Fußball- und Leichtathletikverband, Johan Dollekamp (Vorsitzender „Fair Play“ im Niederländischen Fußballbund), Jean Marie Greven von der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgien, Michael Lichtnecker vom Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen und Hans-Georg Lützenkirchen für den Fußballverband Mittelrhein, dass „Fairness, Respekt und Toleranz im Sport“ kein nationales, sondern ein umfassendes europäisches Thema ist und zeigten praktische Wege zur Umsetzung unterstützender Konzepte auf.
Johan Dollekamp erläutert das "Fair Play" Konzept des Niederländischen Fußballverbandes (KNVB).
Ein wichtiges Instrument soll auch künftig die im Sommer 2002 gestartete Kampagne „respect“ sein. In Kooperation mit dem Ministerium für Städtebau, Wohnen, Kultur und Sport (MSWKS) setzt der WFLV auf eine Reihe öffentlichkeitswirksamer Aktionen, von denen der Fußballsport profitiert, in deren Mittelpunkt Toleranz und Fair Play im Fußball stehen und die bis zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland die Bedeutung Nordrhein-Westfalens als „Fußball-Land NRW“ unterstreichen sollen. Mit der Kampagne „respect“ unterstützt der WFLV im Vorfeld der WM 2006 das Motto der Weltmeisterschaft „Zu Gast bei Freunden“ und füllt diesen Slogan mit Leben.
Beginnend in 2004 wird die „respect“-Kampagne in mehreren aufeinander folgenden Schritten bis zum WM-Jahr 2006 ausgebaut. Mit einer breiten Palette unterschiedlicher Veranstaltungen wie Stadionaktionen, Fan-Projekten, Fan-Club-Wettbewerben etc. sowie der internationalen Verbreitung durch Mitwirkung des Goethe-Instituts wird die Verankerung und Bekanntmachung der Kampagne innerhalb der Fußballstrukturen und in der Öffentlichkeit angestrebt. Ziel ist die Einbeziehung ins Rahmenprogramm im Vorfeld der WM 2006 und die Schaffung einer gastfreundschaftlichen Atmosphäre und deren Wahrnehmung bei der Fußball-Weltmeisterschaft.
Am Ende des zweitägigen Symposiums im Sportschloss Velen berichteten Medienvertreter über ihre speziellen Erfahrungen mit mehr oder weniger fairem und respektvollem Verhalten im Fußball und den entsprechenden Umgang mit Sportlern und Sportereignissen in Presse und TV. Abschließend gab der Fan-Betreuer Marcus Dehnke vom „Fan-Projekt“ des FC Schalke 04 einen kurzen Einblick in die Möglichkeiten und Ziele der Sozialarbeit im Fußball-Umfeld.