LSB-Präsident Schneeloch fordert
mehr Effizienz in der Leistungssportförderung
Auch der Landessportbund Nordrhein-Westfalen hat sich in die Diskussionen um die generellen Strukturen des deutschen Spitzensports eingeschaltet. „In Nordrhein-Westfalen gibt es immer noch zu wenige und zu wenig gut ausgebildete Trainer“, sagte am Donnerstag Gisela Hinnemann, LSB-Vizepräsidentin Leistungssport. Zudem reiche die finanzielle Ausstattung des Leistungssports im bevölkerungsreichsten Bundesland nicht aus. „Statt benötigter 13 Millionen Euro stehen nur sechs Millionen Euro jährlich zur Verfügung“, ergänzte Hinnemann.
Bei der Zusammenarbeit mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und den Spitzenverbänden vermisst der LSB „eine klare Führung“. Da hake es noch an vielen Stellen, führte Hinnemann aus. Zu den zuletzt intensiv diskutierten Zielvereinbarungen sagte sie: „Man möchte informiert sein. Aber wir waren es trotz Nachfrage nicht.“ Außerdem würden die Potenziale der Sportwissenschaft zu wenig genutzt.
LSB-Präsident Walter Schneeloch beklagte die Förderung des NRW-Sports durch den Bund und bezeichnete sie als „nicht angemessen“. Schneeloch: „Der Bund fördert beispielsweise den Olympia-Stützpunkt Berlin stärker als die drei nordrhein-westfälischen Olympia-Stützpunkte zusammen, obwohl diese deutlich mehr Athleten betreuen.“
In seiner London-Bilanz verwies der LSB darauf, dass 29 Prozent der Mitglieder des deutschen Olympia-Teams aus Nordrhein-Westfalen kamen. Von den 44 gewonnenen Medaillen seien 16 auf bevölkerungsreichste Bundesland entfallen. „Damit nimmt NRW in der Bundesländerwertung deutlich den Spitzenplatz ein“, hieß es.
Im Detail schlüsselte der LSB-NRW auf seinem Pressetermin in Duisburg auf: 113 von 392 Mitgliedern der deutschen Olympiamannschaft (29 Prozent) kamen aus Nordrhein-Westfalen, von 44 Medaillen entfielen 16 auf NRW. Damit nimmt NRW in der Bundesländerwertung deutlich den Spitzenplatz ein. Aber auch Kritik deutscher Olympioniken an der Professionalität in der Spitzensportförderung und der finanziellen Entlohnung von Spitzensportlern wurde in den Medien laut.
Festzuhalten ist zudem, dass NRW-Athleten in 19 Sportarten gar nicht oder nur einmal vertreten waren, was hinsichtlich der vom DOSB geforderten „breiten Aufstellung“ Klärungsbedarf aufwirft.
Gisela Hinnemann: "Statt benötigter 13 Millionen Euro stehen nur 6 Millionen Euro jährlich zur Verfügung"
Gisela Hinnemann, Vizepräsidentin Leistungssport des Landessportbundes NRW, kann diese Kritik nachvollziehen, auch auf NRW bezogen: „In Nordrhein-Westfalen gibt es immer noch zu wenige und zu wenig gut ausgebildete Trainer. Die finanzielle Ausstattung des Leistungssports reicht nicht aus. Statt benötigter 13 Millionen Euro stehen nur 6 Millionen Euro jährlich zur Verfügung. Hinzu kommt, dass wir bei der Zusammenarbeit mit dem DOSB und den Spitzenverbänden eine klare Führung vermissen. Außerdem werden die Potenziale der Sportwissenschaft zu wenig genutzt.“
LSB-Präsident Walter Schneeloch: „Wollen wir erfolgreich sein, müssen wir unsere Strukturen in NRW überdenken. Dass teilweise ein und derselbe Trainer sowohl von uns als auch der Sportstiftung NRW gefördert wird, halte ich für nicht effizient. Außerdem ist die Förderung von NRW durch den Bund nicht angemessen. Der Bund fördert beispielsweise den Olympiastützpunkt Berlin stärker als die drei nordrhein-westfälischen Olympiastützpunkte zusammen, obwohl diese deutlich mehr Athleten betreuen. Wichtig ist auch ein rigoroses Umdenken beim Schulsport. Körperliche Fitness und Leistungsfähigkeit, Laufen, Springen und Werfen müssen wieder im Mittelpunkt des Sportunterrichts stehen.“
LSB-Präsident Walter Schneeloch verspricht, alles daran zu setzen, die Zuschüsse für Trainerinnen und Trainer im Leistungssport im Jahr 2013 um 10 Prozent zu erhöhen. Außerdem wird der LSB NRW sein Beratungs- und Schulungsprogramm im Leistungssport ausbauen und mehr leistungsdiagnostische Untersuchungen für Kaderathleten anbieten.
Der Landessportbund NRW fördert primär den Nachwuchsleistungssport. Seit Peking 2008 kann der LSB NRW schon einige Verbesserungen bilanzieren. Gisela Hinnemann: „Wir haben viele unsichere Beschäftigungsverhältnisse von Trainerinnen und Trainern stabilisiert und auch damit begonnen, den Einsatz von Managementpersonal im Leistungssport zu fördern. Unsere Regionalkonzepte sind auf den gesamten olympischen Zyklus angelegt und das ist weit mehr als jede Zielvereinbarung mit quantitativen Vorgaben.“

